Am Grenzübergang Petite Barrière zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo findet ein reger grenzüberschreitender Handelsaustausch statt.
Urheberrecht© Violeta Gonzalez/EIF, via flickr, CC BY-NC-ND 2.0
Wirtschaftliche Situation Dynamisches Wachstum
Das erklärte Ziel der Regierung ist es, durch wirtschaftliches Wachstum die Lebensbedingungen der gesamten Bevölkerung zu verbessern. Laut ihrer zweiten National Strategy for Transformation (NST2 (Externer Link)) soll das Bruttoinlandsprodukt dazu bis 2029 durchschnittlich um 9,3 Prozent pro Jahr wachsen. Als wichtige Sektoren für die wirtschaftliche Entwicklung sieht die Regierung die Landwirtschaft, erneuerbare Energien, die verarbeitende Industrie sowie Bergbau und Tourismus.
Die Regierung ist sehr bemüht, insbesondere ausländische Investoren anzuziehen. Die ruandische Wirtschaft wuchs in den Jahren 2015 bis 2019 jährlich um vier bis 9,5 Prozent. 2020 sorgte die Corona-Pandemie für einen Einbruch (minus 3,4 Prozent). Besonders betroffen von der globalen Wirtschaftskrise und lokalen Pandemiemaßnahmen waren die Bereiche Tourismus, Handel, Bau und Industrieproduktion – und damit die Wachstumsträger der vergangenen Jahre. Selbst die Landwirtschaft konnte sich 2020 nicht positiv entwickeln, da sie zum einen eng mit anderen Wirtschaftssektoren verknüpft ist, zum anderen starke Regenfälle zu Ernteausfällen führten.
2021 erlebte die ruandische Wirtschaft einen deutlichen Aufschwung (plus 10,9 Prozent). 2023 lag die Wachstumsrate bei 8,2 Prozent. In der ersten Hälfte des Jahres 2024 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 9,7 Prozent. Für 2025 und 2026 erwartet die Weltbank ein durchschnittliches Wachstum von 7,7 Prozent.
Hindernisse
Die Regierungspartei von Präsident Kagame prägt wesentliche Wirtschaftsaktivitäten des Landes.
Gebremst wird die wirtschaftliche Entwicklung durch schwierige geografische und strukturelle Rahmenbedingungen: Ruanda ist ein kleines, extrem dicht besiedeltes Bergland ohne Zugang zum Meer. Im regionalen Vergleich entstehen den Unternehmen dort hohe Energie- und Transportkosten. Es fehlt an ausgebildeten Fachkräften und einer gut ausgebauten Infrastruktur. Mängel bestehen insbesondere bei der Stromversorgung: Etwa die Hälfte der Bevölkerung hat bislang keinen Zugang zu Elektrizität.
Im Rahmen regionaler Programme wird mit deutscher Unterstützung die Energieversorgung verbessert, indem Übertragungsleitungen zwischen Ruanda, Burundi und der Demokratischen Republik Kongo installiert werden. Außerdem wird der Bau von Wasserkraftwerken und solaren Heimsystemen gefördert.
Die hohe Dichte und das Wachstum der Bevölkerung (2023: 2,2 Prozent) führen zu einer sehr intensiven Nutzung der natürlichen Ressourcen des Landes. Zum Vergleich: Während in Deutschland im Schnitt 240 Menschen pro Quadratkilometer Landesfläche leben, sind es in Ruanda 553. Die Bevölkerungsdichte führt dazu, dass unter anderem immer mehr Böden zerstört werden und die landwirtschaftlich nutzbare Fläche schrumpft, was stärkere Migration in die Städte und die Verstädterung fördert. Gleichzeitig sind vor allem ländliche Gegenden immer öfter von extremen Wetterereignissen wie Dürren und Starkregen und von Schäden durch Erosion betroffen.
Entwicklungspotenziale
Wachstumsbranchen Ruandas sind vor allem die Bauwirtschaft und der Bergbau, aber auch der Tourismus. Nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Bedeutung dieser Branche bemüht sich die ruandische Regierung intensiv darum, die unkontrollierte Abholzung der Wälder einzudämmen und die verbliebenen Wälder unter Schutz zu stellen. Mit einem neuen Konferenzzentrum und zahlreichen neuen Hotels hat sich die Hauptstadt Kigali außerdem erfolgreich als Standort für internationale Konferenzen positioniert.
Stand: 05.03.2025