Zedern im Libanon

Libanon

Der Libanon spielt eine zentrale Rolle für die Stabilität im Nahen Osten und steht zugleich vor tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen und institutionellen Herausforderungen. Nach Jahren schwerer Krisen und politischer Blockaden kommt der Stärkung eines handlungsfähigen Zentralstaats und der Umsetzung grundlegender Reformen besondere Bedeutung zu. Die wiederkehrenden bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Hisbollah und Israel haben die ohnehin angespannte Lage im Libanon weiter verschärft und erhebliche Schäden an der Infrastruktur und massive interne Vertreibungen verursacht. Soziale Spannungen in der Gesellschaft zwischen verschiedenen konfessionellen und politischen Gruppen sowie zwischen Aufnahmegemeinden und Geflüchteten sind hoch. Die Hisbollah ist deutlich geschwächt aber weiterhin tief im Land verankert und fordert das staatliche Gewaltmonopol heraus. Für eine langfristige Stabilisierung des Landes unterstützt daher das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die libanesische Regierung dabei, staatliche Strukturen auszubauen und Reformen voranzubringen, wirtschaftliche Entwicklung zu fördern sowie eine verlässliche Grundversorgung für die Bevölkerung in der Notsituation sicherzustellen.

Statement Entwicklungsministerin Alabali Radovan zur aktuellen Waffenruhe im Nahen Osten und den israelischen Angriffen auf den Libanon Interner Link

9. April 2026 |

„Diese Waffenruhe verliert ihre Glaubwürdigkeit, wenn der Libanon weiter unter Beschuss steht.“ (...)

Seit 2019 befindet sich der Libanon in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Landeswährung hat mehr als 95 Prozent ihres Wertes verloren, die Wirtschaft ist seit 2019 um rund 40 bis 45 Prozent geschrumpft und Armut sowie Arbeitslosigkeit sind stark angestiegen. Die Explosion im Hafen von Beirut 2020 machte den Zusammenbruch staatlicher Strukturen sichtbar; 2022 verschärfte eine Ernährungskrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine die Lage zusätzlich. Seitdem haben wiederholte Energie- und Nahrungsmittelpreisschocks – zuletzt im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen den USA/Israel und Iran – die Kosten für Treibstoffe, Transport und importierte Lebensmittel weiter steigen lassen und die Kaufkraft der Haushalte zusätzlich ausgehöhlt.

Als unmittelbarer Nachbar Syriens hat der Libanon während des syrischen Bürgerkriegs rund 1,5 Millionen syrische Geflüchtete aufgenommen – bei einer libanesischen Bevölkerung von etwa 4,5 Millionen. Die Zahl der syrischen Flüchtlinge ist seitdem stark zurückgegangen - viele Flüchtlinge sind nach Syrien zurückgekehrt. Nach UNHCR (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Schätzung halten sich weiterhin rund 850.000 syrische Flüchtlinge im Land auf. Hinzu kommt eine signifikante Zahl palästinensischer Flüchtlinge. Damit beherbergt der Libanon pro Kopf die größte Flüchtlingspopulation weltweit, was den Druck auf Infrastruktur und Ressourcen weiter verschärft.

Zwischen Oktober 2023 und November 2024 führte der bewaffnete Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah zu einer humanitären Krise und zur Binnenvertreibung von Schätzungen zufolge über einer Million Menschen. Die Weltbank beziffert den Wiederaufbaubedarf nach dem Krieg auf rund elf Milliarden US‑Dollar.

Anfang 2025 wurde unter Präsident Joseph Aoun und Premierminister Nawaf Salam erstmals seit vielen Jahren eine funktionsfähige, reformorientierte Regierung gewählt. Sie übernahm ein von Blockaden geprägtes politisches System, einen ausgehöhlten Staatsapparat und stark reduzierte Staatseinnahmen. Im ersten Amtsjahr konnten trotz widriger Rahmenbedingungen sichtbare, wenn auch nur langsame Reformfortschritte erzielt werden.

Die erneute Eskalation zwischen Hisbollah und Israel im März 2026 hat diesen vorsichtigen Reformprozess jedoch stark belastet. Die Kampfhandlungen führten zu erneuten Vertreibungen von über eine Million Menschen, zahlreichen zivilen Opfern und erheblichen Zerstörungen von Dörfern und ziviler Infrastruktur. Seit der Waffenruhe und dem im Juni 2026 vereinbarten Rahmenabkommen zwischen Libanon, Israel und der USA hat sich die akute Dynamik des Konflikts in den meisten Landesteilen beruhigt. Doch insbesondere im Süden – in der Zone direkt am Grenzgebiet – ist weiterhin die israelische Armee stationiert; es kommt zu regelmäßigen Angriffen, Landesteile sind nur kaum zugänglich. Dies erschwert Rückkehr, Wiederaufbau und die Wiederherstellung einer verlässlichen Grundversorgung.

Das Land steht an der Grenze seiner Belastungsfähigkeit: hohe Staatsverschuldung, weit verbreitete Armut, signifikante Binnenvertreibung und weiterhin hohe Flüchtlingspräsenz, steigende Lebensmittel- und Energiepreise, anhaltende Stromausfälle, ein überlastetes Gesundheitssystem und eine stark beeinträchtigte öffentliche Daseinsvorsorge machen den Alltag für große Teile der Bevölkerung zu einer täglichen Herausforderung.

Die libanesische Regierung muss die aktuelle Phase relativer Stabilität nutzen, um dringend erforderliche Reformen voranzubringen, Stabilisierungs‑ und Wiederaufbaumaßnahmen in kriegsbetroffenen Gebieten voranzubringen, die Grundversorgung für alle Bevölkerungsgruppen sicherzustellen, und gesellschaftliche Spannungen zu entschärfen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die libanesische Regierung dabei: durch den Ausbau staatlicher Strukturen, die Förderung wirtschaftlicher Erholung und Entwicklung sowie Maßnahmen zur Sicherung einer verlässlichen Grundversorgung für die Bevölkerung in der anhaltenden Notsituation.

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Deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit dem Libanon

Zu Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 weitete Deutschland die Entwicklungszusammenarbeit mit dem Libanon aus, um dem Land bei der Versorgung der Geflüchteten zu helfen und Aufnahmegemeinden zu unterstützen. Seit 2020 zählt der Libanon wieder zu den offiziellen Partnerländern des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Die heutige deutsch-libanesische Entwicklungszusammenarbeit stützt sich auf drei Säulen:

  1. Die Stärkung staatlicher Strukturen und Reformen soll den libanesischen Staat als handlungsfähigen und verlässlichen Akteur festigen – vor allem dort, wo bisher Lücken durch Akteure wie die Terrororganisation Hisbollah gefüllt wurden. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt hierfür auf gute Regierungsführung, Rechenschaftspflicht und Transparenz sowie den Aufbau öffentlicher Kapazitäten und die gezielte Begleitung von Reformen.
  2. Eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung schafft konkrete Perspektiven für Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen. Dafür wird berufliche Bildung gestärkt und die Privatsektorentwicklung unterstützt. Unter anderem werden Beschäftigungschancen durch die Unterstützung von Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen, den Ausbau von Mikrofinanzangeboten sowie durch Vorhaben in der Landwirtschaft und im Agrarsektor geschaffen.
  3. Die Unterstützung der Grundversorgung und Existenzsicherung zielt darauf ab, vulnerable Bevölkerungsgruppen – Libanesinnen und Libanesen, Geflüchtete und Binnenvertriebene – in Krisenzeiten zu unterstützen.

2025 hat das BMZ dem Libanon insgesamt 150 Millionen Euro für Entwicklungszusammenarbeit bereitgestellt. Um die Notlage durch den bewaffneten Konflikt zwischen Hisbollah und Israel zu adressieren, wurden 2026 bisher weitere 70 Millionen Euro für den Libanon bereitgestellt.

Foto von einem Mann, der die libanesische Fahne schwenkt.

Stärkung staatlicher Strukturen und Reformen Interner Link

Um die Stabilität und Handlungsfähigkeit des libanesischen Staates zu verbessern, unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die reformorientierte libanesische Regierung dabei, staatliche Strukturen zu stärken und grundlegende Reformen durchzuführen.

Foto von Frauen, die in einer Industrieküche Gemüse schneiden.

Wirtschaftliche Entwicklung Interner Link

Mit Maßnahmen im Bereich der nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung unterstützt das BMZ libanesische Wirtschaftsakteure auf Seiten des Staates und der Privatwirtschaft dabei, Zukunftsperspektiven, vor allem für junge Menschen, zu schaffen. Zum Beispiel werden staatliche Ausbildungsstätten, Betriebe und Wirtschaftsverbände dabei begleitet, Programme und Qualifizierungsangebote zu entwickeln, die den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern. Als Schlüsselsektor für Resilienz und Ernährungssicherung in der Krise kommt dem libanesischen Agrarsektor dabei eine besondere Rolle zu.

Foto von Kinder, die aus einem Zelt schauen.

Unterstützung der Grundversorgung und Existenzsicherung Interner Link

Seit Beginn der Flüchtlingskrise unterstützt Deutschland den Libanon dabei, die wiederkehrenden humanitären Herausforderungen zu bewältigen, denen sich das Land gegenübersieht. Durch den jüngsten Krieg zwischen Hisbollah und Israel hat sich die Lage deutlich zugespitzt. Die Hilfe richtet sich gezielt an Geflüchtete, Binnenvertriebene sowie besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen in Aufnahmegemeinden.

Entwicklungspolitische Kennzahlen

  • Libanon
  • Deutschland

Allgemeine Informationen

Hinweise für die Nutzung

Klicken Sie sich durch die oben angeordneten verschiedenen Rubriken und finden Sie aktuelle Zahlen aus dem Libanon sowie – zum Vergleich – aus Deutschland.

Weitere Informationen zu den einzelnen Daten und die Quellenangabe können Sie mithilfe des i-Zeichens abrufen.

Libanon Hauptstadt Beirut

Gesamtbevölkerung

in Millionen (2025)
5,85
83,49

Fläche

in Quadratkilometern
10.452
357.680

Rang im HDI

Index der menschlichen Entwicklung (HDI), 193 Länder (Ränge können mehrfach belegt sein)
100
JO
Flagge von Jordanien
102
LB
Flagge des Libanon
103
LC
Flagge von St. Lucia
4
DK
Flagge von Dänemark
5
DE
Flagge von Deutschland
5
SE
Flagge von Schweden

Stand: 15.10.2026